Schirin Gijadin

Seit Juli 2015 lebe ich mit der Diagnose MS. Das erste, das mir zu Beginn in den Sinn gekommen ist, war, dass ich im Rollstuhl enden werde. Es war, als würde ich in ein schwarzes Loch fallen, aus dem ich mich nicht mehr retten kann. Heute geht es mir dank der MS-Gesellschaft und einer guten Physiotherapie sehr gut. Ich habe gelernt, dass auch mit MS alles geht, nur vielleicht ein bisschen anders. Mental und körperlich geht es mir besser denn je und auch medizinisch bin ich gut versorgt.

Da ich in einer Geschützten Werkstätte arbeite, ist mein Arbeitsplatz barrierefrei. MS kann jedoch im Arbeitsleben ein Stigma sein. Beispielsweise hat es meinen ehemaligen Arbeitgebern, die Sprache verschlagen als sie von meiner Erkrankung erfahren haben. Ich habe leider oft zu spüren bekommen, dass den Arbeitgebern meiner Meinung nach, aufgrund fehlender Aufklärung zu MS im Arbeitsleben, die Empathie fehlt. Man wird als MS-kranker Arbeitnehmer gerne als Kostenfaktor abgestempelt. Dennoch war es mir immer wichtig, bereits bei den Vorstellungsgesprächen offen zu sein und zu sagen, dass ich eine MS Erkrankung habe.

Wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann wäre es mehr Aufklärung bezüglich meiner Erkrankung. Menschen die neu diagnostiziert wurden, werden oft im Stich gelassen. Hier gibt es definitiv Aufholbedarf. Würde mich heute ein Jugendlicher mit der Diagnose MS ansprechen würde ich ihm meine Geschichte erzählen und ihm Mut machen. Ich dachte immer ich könnte nie selbstständig mein Leben mit dieser Diagnose gestalten. Heute weiß ich aber, dass mich meine MS in keiner Weise einschränkt.