Judith Heinrich

Ich habe die Diagnose 1993 bekommen. Für mich war das nicht so überraschend, da ich in der Hauskrankenpflege gearbeitet habe und mir die Symptome bekannt waren. Bei meinem Kind war das anders. Mein Sohn war erst 15, als er diagnostiziert wurde. Das war auch für ihn besonders schlimm, da die meisten seiner Freunde sich abgewendet haben, weil sie mit der Krankheit nicht umgehen konnten.

Heute geht es mir mit der Diagnose sehr gut. Ich denke fast nie daran, dass ich krank bin. Ich genieße jeden Tag, an dem es mir gut geht und jeder Tag, der nicht so gut ist, der vergeht.

Nach der Diagnose war ich in einer Selbsthilfegruppe in Wiener Neustadt und da wollte man mich nicht dabeihaben, weil ich noch jung war. Das war mir eine Lehre. Ich bin daher heute bereit, jedem mit MS weiterzuhelfen. Niemand hat die gleichen Symptome wie ein anderer, daher ist es wichtig, dass jeder über sich erzählen kann. Arbeitgeber haben leider auch Vorurteile gegenüber Menschen mit MS. Sie verbinden sie meist schnell mit einem Rollstuhl. Aber mit guter Reha ist das oft nicht notwendig. Wichtig ist, dass jeder eine passende Reha bekommen kann. Und dass es zum Beispiel Unterstützungen bei der Suche nach einer passenden Wohnung gibt