Christine Heinzl

Vor 11 Jahren habe ich die Diagnose MS bekommen. Ich war damals 59 und habe vier Jahre lang gelitten, bis man die Krankheit diagnostizieren konnte. Für mich es eine Erleichterung und ein gutes Gefühl, dass endlich klar war, was ich habe, denn jetzt konnte man etwas dagegen tun.

Bis heute geht es mir relativ gut mit der Erkrankung. Ich habe zwar immer wieder Schmerzen, aber mit der richtigen Einstellung lässt sich die Krankheit gut ertragen. Ich habe Glück, denn ich brauche keinen Rollstuhl und habe eine gute Physiotherapeutin. Manchmal grüble ich aber noch zu viel.

Als ich noch im Beruf war, habe ich einen tollen Chef gehabt, der mich sehr unterstützt hat. Da meine Beschwerden durch die Therapie zurückgegangen sind und ich auch keine Bewegungseinschränkungen mehr hatte, musste mein Arbeitsplatz nicht adaptiert werden. Für junge Menschen kann MS am Arbeitsplatz aber durchaus ein Stigma sein.

MS ist heute eine Art „Insiderkrankheit“. Oft wird sie in die Nähe von anderen neurologischen Krankheiten wie Schlaganfällen gerückt. Hier müssen wir auch die Betroffenen unterstützen und zu mehr Selbstbewusstsein trotz Krankheit verhelfen.

Ich wünsche mir, dass Politiker einmal in der Praxis miterleben, was solche Krankheiten für das Leben Betroffener bedeuten und erst dann Entscheidungen treffen.